Mein Katzenopa..

.. musste letzte Woche unters Messer.
Wie es manchmal einfach so ist, an langen Wochenenden werden Haustiere, Kinder oder lebenswichtige Haushaltsgeräte einfach mal so krank. Am Freitag Abend vor Pfingsten war es der Francis, mein mittlerweile 17 jähriger EKH-Kater, den ich 1991 aus dem Tierheim Lengerich holte.
(Nur um es kurz zu erwähnen, am Abend zuvor hat die Batterie meines Autos den Geist aufgegeben -> Freitag Vormittag Werkstatt. Freitag Nachmittag funktionierte das Warmwasser nicht mehr -> den Nachmittag mit Hausmeister und Handwerker verbracht.)
Und am Freitag Abend wollte das Fränzchen nicht mehr fressen.. d.h. eigentlich wollte er schon, denn er schien mordsmäßigen Hunger zu haben, verkroch sich aber lieber unterm Sofa.

So ein bißchen konnte ich ihn überreden: mit heißem Wasser angerührtes und zermanschtes Dosenfutter inkl. Päppelpaste, denn der Gute hatte doch in der letzten Zeit ziemlich abgenommen.
Ich hab jedenfalls erst mal das Wochenende verflucht, am liebsten wär ich mit ihm direkt zum Tierarzt gefahren, aber es schien ja wenigstens nicht lebensbedrohlich zu sein. Nur das Warten zermürbt ganz schön. Immer wieder Futter zu Brei zerdrückt und angerührt; nachts kam er dann zum Schmusen ins Bett, lautstark schnurrend.
Dabei fiel mir auf, dass er nach gewisser Zeit anfing zu sabbern und schmatzen. Ein kurzer Blick von vorn in sein Mäulchen gab keinen Aufschluss und mehr ließ er auch nicht zu.
Vermutung: er hat was mit den Zähnen.

Dienstag Morgen: Ab zum TA, denn es war immer noch nicht besser und bei so einem „alten Mann“ macht man sich.. äh ich mir schon arge Sorgen.
Ein Blick ins Maul reichte aus: Zahnfleischentzündung und dicker Zahnbelag – da war eine Zahnsanierung unumgänglich.
Ich vermutete schon an dieser Stelle, dass dem armen Kerl nachher noch alle Zähne gezogen werden müssten, aber dann kam das Schlimmste: die Tierärztin meinte, dass so eine Entzündung im Maulbereich ja oftmals einen ganz anderen Ursprung haben könne. Also untersuchte sie ihn weiter und stellte fest, dass bei der Palpation der Nieren sich diese viel kleiner und schrumpeliger anfühlten als sie es normal sein dürften. Verdacht auf CNI (Chronische Niereninsuffizienz).

CNI wiederum ist mal eine ganz ungünstige Ausgangssituation für eine OP unter Narkose. Denn das Narkosemittel wird ja über die Nieren abgebaut bzw. ausgeschieden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion schnellt also das Narkoserisiko enorm in die Höhe.
Dazu dann noch sein Alter (17 Jahre) und sein relativ mieser Allgemeinzustand.. mir wurd echt schlecht. Aber ich kam ja nicht drumrum, denn jeder weiß ja, wie fies Zahnschmerzen sind und dass man die nun nicht auf Dauer ertragen kann. .. und ohne Narkose möchte man so eine Zahnsanierung in den Ausmaßen auch nicht ertragen (bzw. wär das bei einer Katze unter Garantie nicht möglich, die würde zum Mörder werden).

OP-Termin für Donnerstag ausgemacht unter den Bedingungen, dass nur operiert wird, wenn es nicht mehr so heiß ist (Senkung des Narkoserisikos, das durch Hitze -> Kreislaufprobleme auftritt) und Francis während der OP eine Dauerinfusion zwecks konstanter Flüssigkeitszufuhr (->Nierenentlastung) bekommt.

Donnerstag Morgen kam ich mir vor als brächte ich das Lamm zur Schlachtbank. Um 9 Uhr war der Termin, mittags sollte ich ihn dann holen (vorausgesetzt die OP sei erfolgreich). Um es kurz zu machen, um 10 Uhr klingelte mein Telefon – ich hatte meinen Kopf ganz tief in anderen Sachen vergraben, um bloß nicht nachdenken zu müssen – und die TÄ sagte mir, Francis sei jetzt fertig operiert und würde schon langsam wieder wach werden. Apuuuuuuuuuuuuuuuuuh… ein Gebirge plumpste mir vom Herzen.

Gegen halb 12 durfte ich ihn abholen. Ihm wurde ein Zahn gezogen (ja, nur einer!!!), dessen Wurzel schon fast ganz weggegammelt und resorbiert war.. und unter dem Zahn befand sich ein dicker Eiterherd. Dazu kamen noch viele entzündete Zahnfleischtaschen, die entfernt und versorgt wurden.

Mein Fränzchen eingepackt, nach Hause gedüst und Krankenpflegerin gespielt. Kater & Fotomagazin mit ins Bett genommen – war auch gut so, denn als Francis kotzen musste (Narkosenachwirkung), konnte ich schnell das Fotomagazin drunter schieben :D
Er wollte aber nicht ruhig liegen bleiben, sondern am liebsten durch die Gegend marschieren (Fluchtreflex), so dass ich das Unternehmen Narkoserausch im Bett ausschlafen bald strich und ihn zu seinem Lieblingsplatz (Kratzbaumhöhle unterste Etage) ließ.
Am frühen Abend stand er auf einmal neben mir und wollte fressen.. und fressen.. und fressen.. Naja, da konnte ich bestimmt nicht nein sagen.

Als Nachbehandlung gab es natürlich auch ein Antibiotikum (gegen die Enzündung): morgens und abends je eine Tablette ins Futter. Kein Problem. Aber im Nachhinein kann ich sagen, dass Francis die Narkose besser weggesteckt hat als PeeWee letztes Jahr bei seiner Kastration.
Achja, am nächsten Tag gabs noch eine gute Nachricht: während der OP wurde auch Blut abgenommen für ein Blutbild wegen der Nierenwerte. Und die Werte gabs am Freitag. Alles im Normbereich, lediglich Harnstoff am oberen Grenzbereich des Normwertes und die segmentkernigen Granulophilen waren erhöht, was sich aber aufgrund des Entzündungsgeschehen im Maulbereich erklären lässt. Jedenfalls nichts, was auf eine CNI im fortgeschritteneren Stadium hinweisen würde.. Hachja.. ich wusste gar nicht, wieviele Gebirge man auf dem Herzen tragen kann *gg*

Gestern war ich nochmal mit Francis beim TA, denn die Entzündung ist immer noch nicht ganz weg. Nun bekommt er ein anderes Antibiotikum. Naja, wird schon besser, auf jeden Fall ist er seit der OP beinahe wie neugeboren.
Hoffen wir also mal, dass er mir noch weitere 17 Jahre erhalten bleibt ;)

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.