Apotheke und Rilke

Eigentlich hab ich ja heut schon gebloggt, aber das Erlebnis war doch eben sehr „strange“.

Da fahr ich nochmal zur Apotheke, um das Mittelchen für Lumpi abzuholen; und vor mir steht ein Mann in der Apotheke, der sich angeregt mit der Apothekerin unterhält. Nunja, zumindest er redete. Gedankenverloren wartete ich also einen Meter hinter ihm und bekam ein paar Wortfetzen mit:

.. sperrte die Fau ein .. hielt ihre Füße ins Feuer, bis sie ..

HÄ?!
Er drehte sich dann auch zu mir und rezitierte zwei Verszeilen und erklärte dann, dass Rainer Maria Rilke dies in einem Werk über die Hugenotten beschrieben hat .. oder so ..
Meiner einer musste dann doch breit grinsen. Die Apothekerin fühlte sich scheinbar erlöst und ich hab schnell meine Bestellung abgeholt, während der nette Herr weiter rezitierend die Apotheke verließ, um – wie ich auf dem Rückweg zum Auto feststellte – die Damen im Eiscafé mit seinen Versen zu beehren.

Welches Werk Rilkes es nun genau war, hab ich lieber nicht gefragt. Dafür hab ich eben diese Verse wieder entdeckt:

Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.

Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt…

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.