Lumpis Ohr Teil 2

Ich bin noch gar nicht dazu gekommen darüber zu berichten, was Lumpis Ohr macht und was alles passiert ist in der letzten Zeit.

Vor genau acht Tagen (am 23.April) ist Lumpi operiert worden. Eine OP war unumgänglich meiner Meinung nach, nachdem ich alle Vor- und Nachteile und vor allem Risiken abgewägt habe. Wie ich zu dem (richtigen) Entschluss kam:Wenn ich also operieren lassen würde, dann schweben folgende Gedanken in meinem Kopf:

  • generelles Narkoserisiko
  • Risiko, dass durch den Stress die FeLV-Infektion ausbricht
  • die Panik, dass es sich herausstellt, es handelt sich um einen bösartigen Tumor
  • natürlich (und leider) auch die Kostenfrage

Alles zusammen.. uaaaaaaah – zum Schreien!

Aber wenn ich nicht operieren lassen würde, dann flattern mir folgende Gedanken durch den Kopf:

  • Eine Ohrentzündung ist schmerzhaft und sehr lästig
  • sie wird nicht von alleine verschwinden
  • Die Reizung auf Dauer würde zu einer konstanten Belastung für Lumpi werden -> Ausbruchgefahr der FeLV-Infektion steigt!
  • wenn es tatsächlich bösartig ist, dann wird es noch viel schlimmere Ausmaße bekommen als bisher
  • ich will auch nicht ein auf Dauer eiterndes und entzündete Ohr haben wollen

Ganz klar: die OP musste gemacht werden, auch wenn damit Risiken verbunden sind.

Um 10:30 Uhr am 23.April hatte Lumpi also seinen OP-Termin. Uns beiden war auf der Fahrt zu der Praxis des Fachtierarztes für Chirurgie und Kleintiere Dr. Lüerssen nicht wohl, aber da mussten wir nun beide durch. Ich war bei ihm, bis die erste Narkose schließlich wirkte und fuhr dann mit mulmigem Gefühl im Magen nach Hause – sollte die OP-Dauer doch zwei Stunden betragen und ich ihn eh erst wieder abholen dürfen, wenn er aus der Narkose wieder aufgewacht ist und langsam munterer würde. Also nicht vor 15 Uhr.

Gegen Mittag der erlösende Anruf: Lumpi hat die OP überstanden und wacht langsam wieder auf. Der kompliziertere Eingriff nach ZEPP brauchte nicht gemacht zu werden, da sich der Polyp so entfernen ließ.
Da plumpste schon ein großes Gebirge vom Herzen, das Schlimmste war überstanden.

Um 15:30 Uhr hab ich ihn abgeholt. Matschig, aber wach, saß er in seinem Korb. Das entfernte Gewebestückchen war ungefähr so groß wie zwei nebeneinanderliegende Erbsen, die leicht plattgedrückt wurden. Und es sah so aus, als wäre das Gewebe schön klar abgegrenzt. Meine Hoffnung bestätigte sich:

..höchstwahrscheinlich gutartig, da klar abgegrenzt.. ..wird höchstwahrscheinlich nicht wiederkehren.. ..histologische Untersuchung würde höchstwahrscheinlich zu keinem nennenswerten Ergebnis führen.. .. Kastration war ebenfalls problemlos..

Schon mal sehr beruhigt bin ich mit ihm heimgefahren. Mein ursprünglicher Plan, ihn noch ein Weilchen und sicherheitshalber im Korb zu verwahren bis Lumpi wacher ist, wurde von ihm selbst verworfen, denn er mag den Korb nicht und hat Angst darin. Er pfotelte so verzweifelt durch die Gittertür der Box, dass ich ihn doch herausließ.

Die nächste Stunde war anstrengend – zumindest bis Lumpi einen für uns beide akzeptablen Ort gefunden hatte, an dem er seinen Narkoserausch ausschlafen konnte. Zielstrebig torkelte er Richtung Deckenkratzbaum und wollte schon… doch ich hab ihm den Sprung abgenommen und in die Liegemulde des Kratzbaums gesetzt. Nein, das war nicht richtig. Nun wollte er auf die Fensterbank klettern, um in einer der Liegeboxen mit Kissen zu schlafen. Ok, ich hab ihn dann reingesetzt. Das war 10 Minuten lang ok, dann machte er Anstalten in die andere Fensterbankkiste zu klettern. War aber auch nicht richtig, als ich ihn dort reinsetzte, nun wollte Lumpi in die Kuschelmulde des zweiten Kratzbaums. Gar nicht wahr, als ich ihn dort absetzte, wollte er schon wieder raus. Also setzte ich ihn nun mitten ins Zimmer, um zu sehen, was er nun ansteuern würde. Er steuerte auf das Sofa zu und kotzte auf den Teppich.
Auch gut…
Nachdem die plötzliche Übelkeit verflogen war, torkelte er nun Richtung Schreibtisch und kletterte auf den laufenden und warmen Rechner. .. eigentlich ja ein Tabu für meine Katzen, aber Ausnahmesituationen erforden Ausnahmen.

Jedenfalls war das nun endlich der richtige Ort zum Ausschlafen. Bis zum frühen Abend rührte Lumpi sich auf meinem Rechner zu meinen Füßen nicht mehr, abgesehen von zwei sehr halbherzigen, wenn nicht viertel- bis achtelherzigen Versuchen am Abendessen teilzunehmen und aufs Katzenklo zu gehen.
Der Wendepunkt trat eine halbe Stunde später nach der verordneten Homöopathika-Gabe ein: prompt begann er nun viel freier, sicherer, munterer durch die Gegend zu marschieren, wollte auch mal auf den Schoß, dann eine Kleinigkeit, ein Maulvoll speisen und sich auf dem Katzenklo erleichtern. Homöopathie kann wirklich Wunder bewirken. Danke an dieser Stelle an Susanne!

Ein weiteres großes Dankeschön gebührt der Dr.-Fröhlich-Stiftung, die mir in dieser finanziellen Patt-Situation unter die Arme gegriffen und sich für Lumpis OP engagiert hat!

Am nächsten Tag war der Alptraum „OP“ bereits beendet und vergessen: Lumpi bestand darauf seine verpassten Mahlzeiten nachzuholen. Die OP-Wunden sahen gut aus und selbst die anderen Katzen haben ihn nicht einmal angefaucht, obwohl er so fürchterlich nach Tierarzt und OP roch. Das Wackeln und Torkeln auf seinen vier Pfoten war völlig verschwunden – das Einzige, was an die OP offensichtlich erinnert, ist sein teilweise am Ohrbereich links rasierter Schädel. Sieht wirklich merkwürdig aus, aber stört uns beide auch in keinster Weise.

Und heute, acht Tage nach der OP, ist alles wunderbar. Lumpi wirkt viel gelassener und vergnügter als zuvor mit seinem entzündeten Ohr. Ich bilde mir ein, er hat sogar schon zugenommen und seine Kastration zeigt auch schon erste Wirkungen. Aber inwiefern nun Ohr oder Kastration nun für sein viel relaxteres Leben auch mit den anderen Katzen zusammen eine Rolle spielt, kann ich nur raten. Auf jeden Fall war die Entscheidung zur OP goldrichtig!

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