Er mag aber seine Medizin nicht…

Im Zusammenleben mit Hunden kommt man früher oder später nicht an der Aufgabe vorbei dem Hund selbst ein Medikament verabreichen zu müssen. Hier finden Sie einige Tipps und Anleitungen, wie Sie dabei am besten vorgehen.

Es gibt unterschiedliche Verabreichungsformen von Medikamenten: Tabletten, Pillen, Kapseln, Granulat, Flüssigkeiten, Pasten, Salben, Tropfen und Injektionen. Was genau Ihr Hund bekommen soll, ist von verschiedenen Faktoren abhängig, unter anderem vom verwendeten Wirkstoff und seinem Wirkungsort, aber auch vom Temperament des Hundes.

Verabreichung von Tabletten, Pillen, Kapseln:

Viele der Tabletten, welche peroral (= durch den Mund) gegeben werden, kann man seinem Hund mittels Futter oder Leckerli „unterjubeln“ oder gar pur aus der Hand geben, denn einige Medikamente sind bereits vom Hersteller durch Zusatz von Geschmackstoffen dem Hunde schmackhafter gemacht.
Nehmen Sie beispielsweise etwa einen halben Teelöffel voll Leberwurst, drücken Sie die zu verabreichende Tablette in die Leberwurstmasse und formen Sie eine kleine Kugel daraus. Ein kleiner Tipp: Bevor Sie nun Ihrem Hund die präparierte Leberwurstkugel anbieten, warten Sie noch ein paar Minuten. Tun Sie derweil einfach etwas anderes, denn es gibt Hunde, die „wissen“, dass mit der Leberwurstkugel was „nicht in Ordnung“ ist – schließlich haben Sie ja gerade daran herum manipuliert. Sind ein paar Minuten vergangen, ist diese Verknüpfung „Herumhantieren an der Leberwurst“ aus dem Hundegedächtnis gelöscht und Sie können ihm jetzt die Kugel anbieten. In vielen Fällen wird die Tablette so gut vom Hund gefressen. Es kann jedoch passieren, dass Ihr Hund „den Braten gerochen“ hat und selbst diese leckere Leberwurstkugel nicht frisst oder nur die Leberwurst „ablutscht“ und die Tablette wieder ausspuckt.

Was nun? – Geben Sie Ihrem Hund die Tablette direkt ins Maul.
Mit der einen Hand (Rechtshänder nehmen am besten die rechte Hand und Linkshänder ihre linke) halten Sie die Tablette zwischen Zeigefinger und Daumen.
Mit der anderen Hand umfassen Sie die Schnauze Ihres Hundes von oben, so dass der Daumen auf der einen Seite der Schnauze und die anderen Finger auf der anderen Schnauzenseite liegen.
Drücken Sie nun mit Gefühl die Oberlefze zwischen Eck- und Backenzähne. Dadurch öffnet Ihr Hund automatisch sein Maul.
Mit dem Mittelfinger der „Tablettenhand“ drücken Sie nun den Unterkiefer an den Schneidezähnen nach unten.
Schieben Sie jetzt die Tablette über den Zungengrund ganz nach hinten in das Maul Ihres Hundes.
Wenn Sie Ihre Finger aus dem Maul wieder herausgenommen haben, schließen Sie das Maul und achten darauf, dass Ihr Hund schluckt.
Um den Schluckreflex auszulösen können Sie zusätzlich den Hundekopf leicht nach oben strecken und mit einer Hand über seine Kehle auf- und abstreichen.
Wenn Ihr Hund geschluckt hat, können Sie ihn loslassen.

Bei temperamentvollen und unwilligen Hunden empfiehlt es sich, dass eine zweite Person den Hund hält, während Sie ihm die Tablette verabreichen.

Es gibt auch sogenannte „Pillengeber“. Dabei handelt es sich um kleine „spritzenähnliche“ Instrumente, an deren Kopf die Tablette eingeklemmt wird und diese leichter nach hinten ins Maul gebracht werden kann. Wenn die Tablette richtig im Maul positioniert ist, drückt man hinten auf den Kolben des Pillengebers, die Tablette wird fallengelassen und kann geschluckt werden.

Verabreichung von Flüssigkeiten:

Bei einigen flüssigen Medikamenten ist eine entsprechende Pipette oder Spritze schon beigelegt. Ansonsten besorgen Sie sich Einwegspritzen (ohne Kanüle!) in der passenden Größe, welche abhängig ist von der Flüssigkeitsmenge, die Sie Ihrem Hund geben sollen. Auch lassen sich manche Tabletten besser verabreichen, wenn sie zuvor aufgelöst werden und dann in flüssiger Form appliziert werden.
Bereiten Sie die Spritze oder Pipette vorher soweit vor, dass Sie – sobald Sie Ihren Hund richtig „gegriffen“ haben – direkt die Flüssigkeit in sein Maul geben können.
Greifen Sie von oben um die Schnauze Ihres Hundes und schieben Sie mit den Fingern Ober- und Unterlippe soweit auseinander, dass Sie die Spritze zwischen Eck- und Backenzähnen in sein Maul schieben können.
Zu weit müssen Sie die Spritze nicht ins Hundemaul schieben; es reicht, wenn Sie zwischen Innenseite der Zähne und der Zungenmitte mit der Öffnung zu liegen kommt.
Halten Sie den Kopf Ihres Hundes leicht nach oben, so dass die Flüssigkeit nach hinten in den Rachen laufen kann und nicht aus Versehen auf der anderen Maulseite wieder herausläuft. Drücken Sie langsam auf den Kolben der Spritze, so dass Ihr Hund sich nicht verschlucken kann, wenn die Flüssigkeit nun in sein Maul läuft.

Wie bei der Tabletteneingabe empfiehlt es sich eine Hilfsperson zum Halten Ihres Hundes da zu haben, wenn dieser sich unkooperativ verhalten sollte.

Verabreichung von Augentropfen oder – Salben:

Augenmedikamente sollten Sie Ihrem Hund erst geben, wenn Sie sein Auge zuvor von eventuellen Verkrustungen und Absonderungen gesäubert haben. Nehmen Sie dazu ein nicht fusselndes, feuchtes Tuch und streichen Sie damit vom inneren Augenwinkel vorsichtig bis zum äußeren Augenwinkel. Es hat sich bewährt, wenn das Tuch mit lauwarmen Wasser oder lauwarmer physiologischer Kochsalzlösung (Apotheke oder Tierarzt) befeuchtet ist. Beim Tierarzt oder in der Apotheke gibt es extra für diesen Zweck fertige Augentücher zur Reinigung der Augen.

Wichtig: Berühren Sie nicht die Bindehaut oder die Hornhaut des Auges mit der Spitze von Tube oder Pipette des Arzneimittels; Sie können sie sonst damit verletzen! Seien Sie auch auf plötzliche Bewegungen Ihres Hundes vorbereitet, so dass Sie gegebenenfalls die Tube oder Pipettenspitze lieber schnell wegziehen können und Ihren Hund so nicht verletzen.

Für einen Hund, der solche Manipulationen an seinem Kopf ungern oder gar nicht dulden möchte, ziehen Sie eine zweite Person als Hilfe hinzu. Diese hält und fixiert den Kopf Ihres Hundes, so dass Sie die Augentropfen oder – Salbe ins Auge bringen können.
Hierzu ziehen Sie das untere Augenlid leicht nach unten und träufeln die Augentropfen aus kurzer Entfernung vorsichtig in das Auge. Selbiges Verfahren verwenden Sie auch bei der Einbringung von Augensalben: Drücken Sie ungefähr 2 cm der Salbe aus der Tube und tragen sie auf das Unterlid auf – ohne das Auge in Berührung mit der Tubenspitze zu bringen.

Um Abwehrreaktionen zu vermindern, können Sie die Pipette oder Tube nicht direkt auf das Auge, sondern außerhalb der Sichtweite vom hinteren Kopf aus auf das Auge zuführen.

Ein Beispiel für eine Haltetechnik zu zweit:
Der Helfer hockt sich hin mit dem Hund zwischen bzw. vor seinen Beinen (Hunderücken zu dem Haltenden gekehrt. Ein Arm wird vorne über die Brust gelegt, mit der anderen Hand wird die Schnauze von unten leicht umfasst und der Kopf leicht nach oben gehalten zum Fixieren. Den Kopf des Hundes kann der Haltende nun bei Bedarf sacht aber bestimmt gegen seine Brust drücken und so fixieren.

Ein Beispiel für eine Haltetechnik alleine bei einem größeren Hund:
Der Hund steht oder sitzt zwischen den Beinen seines Halters, welcher den Hundekopf erst gegen seinen linken Oberschenkel drückt, um das rechte Hundeauge zu behandeln, dann den Kopf gegen das rechte Bein drückt, um das linke Auge zu behandeln.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

Dieser Spruch stimmt zwar nicht ganz, deutet aber darauf, dass Sie diese Medikamentengaben schon vor dem akut notwendigen Fall üben können und sollten. Bereiten Sie sich und Ihren Hund vor!
Sie können diese Techniken schon von klein auf mit Ihrem Welpen üben. Wie bei allen Trainingseinheiten und Übungen gilt: Mit Ruhe, Geduld und Konsequenz können Sie Ihrem Hund beinahe alles beibringen. Gerade solche „Tierarztspielchen“, bei denen Ihr Hund lernt, dass er sich in Ruhe halten und untersuchen lässt, sind Gold wert im Falle eines anstehenden Tierarztbesuches.
Üben Sie mit ihm, dass er sich ins Maul und in die Ohren schauen lässt. Ganz ohne Zwang und Furcht, wie es sonst beim Tierarzt passieren könnte. So lernt er, dass es etwas völlig Normales ist, wenn man ihn untersucht. Machen Sie ihn vertraut mit diesen Untersuchungen. Ihr Hund und Ihr Tierarzt werden es Ihnen danken.


 

© Jill Peters 2009 – www.visions-inside.de